SCHLANGENGRUBE

 

 

 

 

paradiesisch klar ..

 

Gestern war es, ich in heimischen Gefilden
wandere so dahin, und ja, man mag es
gar nicht für möglich halten

 

 

paradiesisch

 
 
also ich muss sagen, ich wurde jäh aus meinem
paradiesisch anmutenden Zustand gerissen

 

 

DSC04483

 

als da plötzlich zu meiner Rechten
ein Schlammloch auftauchte und ich einer
sich darin befindlichen Schlange gewahr wurde

 

 
Schlange ..
 

 

Irgendwie hab‘ ich’s mit den Schlangen
so scheint mir, die scheinen mich zu verfolgen
so häufig mir jene über den Weg kommen
 
Na ja, Angst verspürte ich keine, nein,
mich ergriff bloß die schiere Neugier
und so kraxelte ich kurzerhand auf einen großen Stein
und dann auch noch
 um sie besser beobachten zu können
auf einen kleineren

 

 

Schlange .

 

 

Ja ja, und wie’s der Teufel so will
rollte der kleinere Stein unter meinem Gewicht weg
 und ich purzle runter in das
Schlangendrecksloch
nun, nicht direkt ins Wasser zur Schlange
aber doch knapp davor
ins überaus sumpfige Gras

 

 
Die arme Schlage, die muss ja einen ordentlichen
Schrecken abbekommen haben
sie ward nicht mehr gesehen!
   @zartgewebt

 

 
Bildquelle: alle @zartgewebt

 

ICH FÜHLE WEISS UND RIECHE FARBE

 

 

 

 

 

 

 

ich fühle weiß (2)

 

 

Manchmal fühle ich weiß
ich wache auf, frühmorgens, und alles ist stimmig
zwar denke ich
doch ich mache mir keine Gedanken
nehme nur wahr
es ist wie ein Neugeborensein
nichts, das mich bedrückt
nichts, das auf mir lastet

 

Die Leinwand ist leer
 
~~~
 
Die ersten Sonnenstrahlen fluten das Zimmer
ich höre, wie das Meer mit seiner Zunge
an den Ufersteinen leckt
die weit geöffnete Balkontür
gibt den Blick auf eine Palme frei
die mit ihren mächtig ausladenden Armen
wie ein Wächter des Glücks auf mich wirkt
Ich sehe an mir herunter
das weiße Laken umschmeichelt meine Figur
meine Hände befühlen die Konturen
 sie schenken mir wohligen Schauer
 
 
Ich drehe mich dir zu
du schläfst noch
ein kräftiger Schwall Duft von Farbe
steigt in mir hoch

 

Komm, lass uns malen
@zartgewebt
 
 
Bildquelle: unbekannt/Fotomontage à la zartgewebt

 

 

LICHT UND LEICHT

 

 

 

 

 

 

 

 

Hach ja,  ich bin oft so
voller Überschwang
so ganz und gar überbordend
irgendwie außer mir
das heißt aber nicht
dass ich mich auf Bäumen herumschwingen
und mich zum Affen machen würde
das wäre dann ja Übermut
wobei
 
ich neige auch zu Übermut
 
*lach*
 
Nein, Überschwang kann sich bei mir
 
muss sich aber nicht
 das ist ganz verschieden
 
auch still ausdrücken
ich kann zum Beispiel
 in reiner Verzückung sein
ohne auch nur mit der Wimper zu zucken
wobei mich aber stets ein Gefühl
von unsagbarer Leichtigkeit trägt
das mein Innerstes
tänzeln
ja, schweben lässt
@zartgewebt
 

 

Bildquelle: unbekannt/Fotomontage à la zartgewebt
 

 

HERAUSTRETEN

 

 

 

Musik: Brian Eno – The big ship
play

 

 

 
 
Ich weiß auch nicht, ich denke, manchmal
treibt es mich einfach ganz weit
aus mir heraus
noch weiter, als nur
einen Schritt zurück
um dann wieder besser ins
Detail dringen zu können
 
Fasziniert,  von der unendlichen
Vielfalt des Lebens
berauscht
über die Maßen beseelt
(ich kann es nicht anders ausdrücken)
lasse ich mich fallen
voller Inbrunst
wieder hinein
unbekümmert und forsch wie ein Kind
wie ein Neuankömmling
der zum ersten Mal
dem Leben gewahr wird
voller

 

„Ooohs“
 
und
 
„Aaahs“

 

und vielen, vielen

 

„Mmmmmmhs“
@zartgewebt
 
 

 

Bildquelle: Header – Fotomontage a’la zartgewebt
Bild 2 – Karl Scherer
 

 

 

DOPPELT GEMOPPELT

 

 

 

 

 

 

Eigentlich wollte ich ja
nicht mehr darüber schreiben
aber sie verfolgen mich derzeit wieder massiv
diese Doppelzahlen
wie zum Beispiel

 

17:17
11:11
19:19
23:23
usw.

 

Geht schon ein paar Wochen so
oder besser gesagt Monate
immer dann nämlich, wenn ich auf die Uhr gucke
das tue ich zwar ganz selten
trage ja nicht mal eine Uhr
werde ich meist von einer Doppelzahl überrascht

 

Aaaaah, denke ich mir
 das!!!! hatte ich doch schon mal
ich schrieb damals – ist schon ein paar Jahre her –
in meinem alten Blog darüber
weil ich mir einfach
 keinen Reim darauf machen konnte
die ganze Zauberei so ca. ein Jahr lang anhielt und dann
plötzlich wieder verschwand

 

Ja, und dem nicht genug, hatte ich dieser Tage
einen gar seltsamen Traum:

 

Ich junge Maid, befand mich am Rande eines Marktplatzes
viele Leute drängten in die Mitte
es war kein Tumult, kein Aufstand
vermutlich gab es nur etwas Interessantes zu sehen
 zu bestaunen, keine Ahnung
wie dem auch sei, mir fiel auf
dass die Frauen alle lange Kleider trugen
viele mit prachtvollen, weit ausgestellten Röcken
die lange Haarpracht war unter einem Hut
oder einer Haube hochgesteckt
die Männer hatten so halblange Mäntel an
Hosen bis zum Knie, darunter Stutzen
schöne Schuhe, auch sie waren gut behütet
nur jene Frauen und Männer, die am Rande standen
waren eher ärmlich gekleidet

 

Komisch, dachte ich mir, irgendwie
gehöre ich hier nicht her, fühlte mich fehl am Platze
was mir aber ganz besonders in Erinnerung blieb, ist
dass ich unbedingt wissen wollte
welches Jahr wir schrieben
so fragte ich die Leute die neben mir standen um die Jahreszahl
doch die nahmen keine Notiz von mir
 drängten nur alle nach vorne
Selbst, bewegte ich mich auch in Richtung Marktplatzmitte
da fiel mir eine schmächtige Gestalt auf
ein Männlein, bunt gekleidet mit überall kleinen Glöckchen dran
mich stark an einen Kasperl erinnernd
es saß auf einem Mauervorsprung und sah mich direkt an
deutete mit ausgestrecktem Arm auf den riesigen Ziehbrunnen
der sich da jetzt mittig auf dem Marktplatz direkt vor mir auftat
um den sich die Gesellschaft versammelt hatte

 

Ja, und dann sah ich sie, die Zahl
unübersehbar groß prangte sie auf der Brunnenmauer

 

1515

 

@zartgewebt

 

 

Bildquelle: Bild 1 Koty2 / Bild 2 @zartgewebt

 

 

MEIN FLAMMEND HERZ

 

 

 

 

 

 

FLAMMEND HERZ

 

 

Kann nichts sagen, Du
wortlos machst du mich
verrückt
deine Berührung
sie hebt aus meiner Welt mich
bin ihr still entrückt
doch schwallen Töne aus mir
ist kein fremder Klang
du stimmst mit ein, nimmst
mein flammend Herz
nimmst alles
mir ist nicht bang
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: 
P. Janthakhaisorn u. Marlina Vera

 

 

ES IST KEIN …

 

 

 

 

 

 

Es ist
kein Hängen in den Seilen
mehr wie ein
hmmm
na ja, ich schrieb ja schon mal
vom Schaukeln

 

hier

 

davon, welch Freude es mir als Kind brachte

 

 

Schaukel

 

 

dieses Auf und Ab, dieses Pendeln, und
was ich eigentlich sagen möchte, ist
dass, wenn ich so eine leichte
melancholische Phase in mir wahrnehme
ich es eben genau mit diesem Schaukeln
in Verbindung bringe
ich merke nämlich, immer wenn ich in diesem
Hochgefühl schwebe, in diesem „Auf“
dann, wenn ich mein Zenit erreicht habe
ich anschließend in eine leichte,  melancholische Stimmung falle
gleich dem „Ab“ beim Schaukeln
ich zwar nicht im „Unten“ verharre

 

man sollte sich das Schaukeln im Zeitlupentempo vorstellen

 

aber dieses „Unten“ wohl wahrnehme, fühlbar als Leere
und, was mir noch auffällt
es sich trotz dieser Leere in mir schwer anfühlt
so ähnlich wie ein tiefes Ausatmen
oder wie ein Luftballon
dem langsam die Luft ausgeht und nach unten schwebt

 

 

In diesem Zustand
dauert meist nur einen oder zwei Tage
bin ich zwar anwesend, doch ich nehme nicht teil
ich nehme alles um mich herum wahr
nehme aber weder etwas in mich auf
noch verströme ich etwas
Dringt eventuell manchmal doch etwas in mich ein
dann rührt mich das dann ganz besonders intensiv an
da ist mir dann beim Lachen
augenblicklich zum Weinen
soll heißen, ich könnte sofort losheulen, auch wenn es noch so
schön, so wunderbar ist

 

Auch möchte ich diesen Zustand nicht missen
ist wie so ein Sich-Sammeln
wohlig, warm eingebettet
keine Ahnung

 

und dann

 

😉

 

atme ich wieder kräftig ein
@zartgewebt

 

 

ivan grozdanovski

 

 

Bildquelle: 1 unbekannt/2 Roz Oserin/3 Ivan Grozdanovski

 

 

 

NATÜRLICH AUFTANKEN

 

 

 

 

 

 

 

Bergsee -x

 

 

Meine Sinne
sind außer Rand und Band
schlagen Kapriolen
ich sauge mich voll
mit Farben, Düften
schmecke, fühle
spüre mich ganz

 

 

 

Bergsee v

 

 

Na ja, und da wandle ich so dahin
suche mir ein lauschiges
Plätzchen am Ufer des Bergsees zur Rast
esse genüsslich Brot, Käse, einen Apfel
und lasse dabei meinen Blick wandern
denke noch
hmmm … könnte ja auch
eine kurze Abkühlung gebrauchen
geselle ich mich doch liebend gerne
auch mal zu den Fischlein

 

 

 

Fische - Bergsee

 

 

oder zu den Enten

 

 

Ente - Bergsee a

 

 

mir macht das nichts aus

 

 

und so streife ich kurzerhand
die klobigen Bergschuhe von den Füßen
stelle sie neben meinen Rucksack
ja, und dann entdecke ich es
 dieses schwarze, weiche Etwas
das sich da direkt vor meine Nase
in den Kies bohrt

 

 

Blutegel - Strand a

 

 

Bitte, was ist denn das für ein Tier
vielleicht eine schwarze Schnecke

 

 

oder ???

 

Neugierig wie ich nun mal bin
gehe gleich näher dran
um das Wesen genauer zu begutachten

 

*iiiiiiiiiiiiih*

 

 

Blutegel - groß - Strand

 

 

ein Blutegel!

 

Also, Tiere die MICH saugen wollen
wie Zecken, Fledermäuse
na ja, mit Fledermäusen habe ich ja schon
meinen Frieden geschlossen
die finde ich inzwischen niedlich
aber einen Blutegel

 

nööööööööö!!!

 

den kann ich grad gar nicht gebrauchen

 

Ich inspiziere gleich das Wasser
und auch da, Blutegel

 

 

 

Blutegel - Bergsee b

 

 

 über Blutegel 

 

 

Blutegel - Bergsee d

 

 

*grummel*

 

 nix mit kühlendem
Wasser auf nackter Haut
wobei, wenn ich mir jetzt
DIE so angucke

 

 

Bergsee - Taucher b

 

 

Nein, das juckt mich auch nicht wirklich
da spüre ich ja nichts
@zartgewebt

 

Bildquelle: alle @zartgewebt

 

 

 

erdig federleicht

 

 

 

 

 

 

 

Arthur BOYD

 

 

Ich fühle mich sehr erdig, bodenständig
mag gern alles fassen, greifen
in der Erde wühlen
bin ein Mensch, der Hand anlegt, tut

 

 

a boyd

 

 

einer, der aus der Natur schöpft
die Natur in sich einfließen lässt
einer, der sich in die Natur einbringt
ich weiß auch nicht, ich bin einfach
im natürlichen Fluss

 

Hach, weißt du, aber nichtsdestotrotz
fühle ich eine unsagbare
Leichtigkeit in mir

 

 

tran tuan

 

 

so ganz luftig bin ich da
irgendwie schwerelos

 

 

 

 

ich könnte Räder schlagen
jetzt gleich, denke ich mir
oder auf den Händen stehen, gehen
fliege da innerlich richtig weg
Die Farben, der Duft, all dies Glänzen und
Flirren um mich herum
ist wie Musik in meinen Ohren
es klingt und singt in mir
es hebt mich aus mir heraus

 

Ich verschenke mich
Ich schenke mich dem Augenblick
@zartgewebt

 

Bildquelle: Rafael Olbinski
Arthur Boyd, Tran Tuan

 

 

DU BIST MIR WIND

 

 

 

 

 

 

 

wind a

 

 

Du bist mir Wind
eine sanfte Brise
 mich zärtlich umkosend
sinnlich verführend
herzerfrischend prickelnd
still berückend, mild

 

 

wind

 

 

doch auch ungestüm 
oft berauschend
alles verwirbelnd
du bist
unbezähmbar
einfach unwiderstehlich
umwerfend natürlich
wild
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: Header – Victoria Ballantine
restlichen – k. Madison Moore (veränderte Bildcollagen)

 

 

 

 

BEZIRZEN

 

 

 

 

 

 

Grille d

 

 

Ha, diese drollige Grille
lief mir dieser Tage über den Weg
na ja, sie saß vor dem Garagentor
ich kam gerade vom Einkaufen
und wollte mein Fahrrad in die
Garage stellen, da sah ich sie

 

„Oo,  da auf dem Asphalt
das geht so nicht!“

 

Ich gleich schnurstracks zum Plastikmüll
fische mir so einen Becher heraus
und schwups hinein mit ihr
hinauf in den Garten und

 

 

Grille e

 

 

 

Grille a

 

 

 

Grille b

 

 

Ich mag deren Musik sehr
seit Mitte April bezirzen sie mich ja unentwegt

 

 

 

 

und nächtens ist das besonders angenehm
die tüdeln eine soooo wunderbar in den Schlaf
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: alle @zartgewebt

 

 

FOLTER PUR!

 

 

 

 

 

 

Wenn du es dir an einem lauen Sommerabend
bei mir auf der Terrasse gemütlich machst, kann es sein,
dass dich von einer Sekunde auf die andere
fröstelt, dir plötzlich die Haare zu Berge stehen.

 

„Wie denn das!“, fragst du?

 

Nun ja, wenn so geflügelte Mäuse
über deinen Kopf hinwegsegeln, lässt dich das
mit Bestimmtheit nicht kalt.
Mich schon. Mich lässt das kalt, das heißt
mich fröstelt nicht, wie denn auch,
wenn es doch so warm ist draußen,
nachts, im Sommer.

 

 

jv9f7q63

 

 

Früher, als ich noch ein kleines Mädchen,
habe ich immer wie blöd geschwitzt
wenn sie kamen, durchs weit geöffnete
Schlafzimmerfenster,
anno dazumal haben sie mich nämlich
nicht kalt gelassen, diese Gruselwesen.
Blut und Wasser geschwitzt habe ich deshalb,
weil ich mich oft unter dem Tuchent verkroch,
und das im Hochsommer; nur die Nasenspitze
und die Augen lugten noch unter dem
monströsen Federungetüm hervor.
Meine Schwester, mit der ich das Zimmer teilte,
setzte mir den Floh ins Ohr,
ja ja, ich weiß, immer diese Flöhe,
als Kind litt ich augenscheinlich unter Flohbefall,
also, sie setzte mir den Floh ins Ohr,
dass mir die Fledermäuse,
eigentlich gab es bei meinem Elternhaus keine,
dort nicht, aber wo ich jetzt wohne schon,

 

 

haus-feldermausrnk7u

 

 

nun, dass mir die Fledermäuse
all mein Blut aussaugen würden,
wenn ich auch nur einen Flecken nackte Haut zeigen würde.
Also wirklich, wenn das nicht grausam ist!
Folter pur, nennt sich das!
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: alle @zartgewebt

 

 

 

KÜHLE MILCH AUF HEISSER HAUT

 

 

 

 

 

 

Helga Sachse

 

 

Es ist später Nachmittag
ich relaxe nebst einer Wasserstelle
 das Buch habe ich zur Seite gelegt
kann mich auf das Gelesene
nicht wirklich konzentrieren
die Worte greifen nicht
gleite immer wieder ab

 

Ich schaue den Himmel
die Vögel
die Pflanzen

 

Dich

 

Ich schaue dich
du bist im Wasser
schwimmst ein paar Längen
geschmeidig, behände
dann döse ich weg
Deine plötzliche Nähe jedoch
lässt mich hochschrecken
wie ein Dom, wie ein Baum
nur mit einem Handtuch um die
 Hüfte gewickelt
hast du dich vor mir aufgepflanzt

 

„Soll ich dich eincremen?“
so deine knappen Worte
und ohne meine Antwort abzuwarten
drängst du mich einfach zur Seite, um so
 neben mir besser Platz zu finden
Mir entfährt sogleich ein
 spitzer Schrei, als die kühle Milch
auf meine nackte Brust tropft
und du beginnst, sie mit deinen
kräftigen Händen zart zu massieren
Dein Blick ist leicht verklärt
als sie dann fordernd, mich nehmend
den Bauch hinuntergleiten
und auch unter dem Bikinihöschen
keinen Halt finden
Ich streife es ab, will,
dass die Glut sich ganz entfaltet
 die all meine Säfte aktiviert
@zartgewebt

 

 

Helga Sachse x ..

 

 

Bildquelle:  Helga Sachse

 

 

 

befremdlich und irgendwie verrückt

 

 

 

 

 

 

Eigenartig war das immer, und ist es
auch heute noch ein wenig
wenn ich mich in einem dreiteiligen Spiegel betrachte

 

Die Eltern meiner Freundin hatten so ein  Riesending
also, einen dreiteiligen Spiegel  in ihrem Schlafzimmer
den durften wir Teenies immer benutzen

 

 

francine van hove

 

 

wenn wir uns für unsere 
selbst einstudierten  Theatervorführungen

 

drück da

 

 oder für unsere diversen Shows die wir inszenierten, aufputzten

 

Ich war mir fremd im Spiegel

 

Nicht wegen der Masken und Kostüme die wir anlegten
es war die nackte, noch ungeschminkte
Profilansicht oder die Rückenpartie
der ich ansichtig wurde, die das Erkennen minderte
Ich weiß nicht wieso das so war (und noch ist)
 wahrscheinlich liegt es aber nur am anderen Blickwinkel
 den ich auf diese Art von mir gewann

 

Manchmal, wenn ich in einer Umkleidekabine stehe
(wenn diese  mehrfach verspiegelt ist) 
und ich mich unerwartet von hinten oder seitlich sehe
erschrecke ich  für einen kurzen Moment
es ist mir dann, als stünde wer Fremder in meiner Kabine
und bin dann oft nahe daran
diesen Eindringling (also mich) zu ermahnen

 

Noch mehr irritiert mich aber meine Stimme
als ich mich zum Beispiel das ersten Mal in einem Video sah
also, in einer ganz normalen Alltagssituation gefilmt wurde
war das ebenfalls überaus befremdlich für mich 
ich fand irgendwie keinen richtigen Bezug
zu der Person die ich da sah
aber dann auch noch die eigene Stimme zu hören
setzte dem Fass die Krone auf

 

Ich erkannte meine eigene Stimme nicht
war ganz perplex und irritiert, fragte
wer denn da so komisch spricht
das kann doch unmöglich ich sein
alle anderen im Video hören sich doch auch
gaaaaaanz normal an, so wie immer eben
die hatten für mich alle
einen ganz normalen  Wiedererkennungswert

 

Verrrückt ist das – irgendwie
@zartgewebt

 

Bildquelle: Francine van Hove

 

 

 

FRIEDVOLL

 

 

 

 

 

 

Gestern, nach dem österlichen Sonntags-Mittagsmahl
 auf der sonnenbeschienenen Terrasse
den Tisch noch nicht abgeräumt
strecke ich mich faul und lasse meinen Blick schweifen

 

 

rosa Gartenteppich

 

 

tauche ein in das satte Blau
des mit hauchzarten Wesen bestückten Himmels

 

 

Wolken-Wesen-

 

 

verliere mich im fröhlichen Bunt der Frühlingsboten

 

 

Kuhschelle

 

 

stehe dann auf, gehe barfüßig  über das noch zarte Frisch
der mit Gänseblümchen übersäten Wiese
Doch, was ist das, ich knie nieder, mein Auge verharrt
legt sich sanft auf …

 

 

kl. Vogel

 

 

Ein leiser Anflug von Wehmut streift mich
aber nur kurz
friedvolle Stimmung breitet sich aus
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: alle @zartgewebt

 

 

 

 

BEFREMDLICH

 

 

 

 

 

 

Ich bin ja viel in den heimischen Bergen unterwegs
und was mir dabei in den letzten Jahren vermehrt auffiel, ist
dass da stellenweise so Fähnchen drapiert werden

 

 

me - wandering..

 

sogar das Gipfelkreuz

 

 

me wandering me..

 

bekommt somit einen fernöstlichen Touch

 

 

Kurzurlaub Berge 175 (3)

 

 

Nicht, dass das jetzt auf mich befremdlich wirkt, nein
ich hatte ja mal so eine Zeit, da war ich unglaublich Tibet-Affin
wollte dieses Land nur allzu gerne bereisen

 

 

x
Tibet

 

 

Land und Leute kennen lernen

 

 

Bestattung2-1024x702
Tibet – Himmelsbestattung

 

den Kailash umrunden
(besteigen darf man ihn ja nicht)

 

lies da

 

 

kailash
Kailash

 

 

 

 

 aber nicht auf Bauch und Knien

 

 

pellegrinilocalidelkailashkora
Kailash – Umrundung

 

wie das einige Tibeter dort handhaben

 

 

Kailash-Mansarover
Kailash

 

na ja, was ich eigentlich sagen wollte, auf alle Fälle,
kommt man dort in Tibet
um die sogenannten Gebetsfahnen nicht herum

 

 

Gebetsflaggen-Nepal-730x360
Tibet – Gebetsfahnen

 

 

Aber hierzulande?

 

 

me wandering...

 

Ich mein, also wirklich

 

me wandering x (2)

 

doch, *smile*,  ich musste direkt schmunzeln, als mir dann
am selben Berg,  so paar hundert Meter weiter
dann doch noch ein heimatlicher Duft entgegen wehte
@zartgewebt

 

 

me-wandering (2)

 

 

Bildquelle: alle @zartgewebt
(außer Tibet-Bilder)

 

 

NICHT IM HINTERZIMMER!

 

 

 

 

 

 

Seine Eltern waren verreist, und er  hatte sich angetragen
um ihre Katze zu schauen, sie täglich zu füttern
ein wenig mit ihr zu schmusen sowie das Kistchen zu reinigen
Nun, am Wochenende lud er mich dann ein
in deren Wohnung mitzufahren,  um ihm
beim Umsorgen der Katze ein wenig Gesellschaft zu leisten

 

Nur allzu gerne nahm ich seinen Vorschlag an
da ich Katzen sehr mag
und auch die Gelegenheit nutzen wollte

 

ihm

 

 so lange wie nur möglich nahe zu sein

 

Tja, und man mag es kaum für möglich halten
wir konnten dort, in der Wohnung seiner Eltern
einfach nicht die Finger voneinander lassen
schmusten nicht mit der Katze, sondern

 

und schlussendlich landeten wir
ich trau` es mich fast nicht auszusprechen

 

im Ehebett seiner Eltern

 

hatten dort hemmungslosen
tierischen
Sex

 

Pah, ja doch,  geht ja nun mal gar nicht das!
Wir versauten das Laken
und überhaupt

.

.

pfui!

 

Aber was soll`s, ich war noch blutjung
(er nicht mehr!)
und beim Schmusen, da vergesse ich mich halt
da schaltet mein Gehirn einfach ab
da laufe ich irgendwie nur mehr auf Notstrom
Aber das soll jetzt keine faule Ausrede sein
ist ja heute auch noch so, dass ich beim innigen Kuss
soll heißen, der Kuss muss „einfließen“
sonst mache ich nicht wirklich auf
alles um mich herum vergesse
und für das, was dann kommen mag, sehr

 

SEHR

 

empfänglich bin
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: Tracey Emin

 

 

NIEMAND HATTE ANGST

 

 

 

 

 

 

 

Ich hatte keine Angst

 

 Niemand 
hatte Angst

 

 

Es ist jetzt schon zig Jahre her
da träumte ich vom Weltuntergang
und, was soll ich sagen, es war kein Angst-
bzw. Albtraum, ganz im Gegenteil
es ging alles sehr ruhig, ja, friedlich ab

 

Das Datum, wann es passieren sollte
 weiß ich nicht mehr, dafür aber die Uhrzeit
kurz nach Mitternacht, genauer gesagt
 um Punkt ein Uhr nachts sollte es losgehen

 

Alle wussten es, auch wir, nur
komischerweise brach vorab keine Panik aus
 nirgendwo
 und selber, um ja nichts zu verpassen
 stellten wir noch den Wecker auf kurz vor eins
und gingen dann beruhigt schlafen
Ich weiß noch, wie wir uns dann alle
 ich wohnte im Traum noch bei meinen Eltern
 kurz vor dem Ereignis hinter dem Haus versammelt haben
alle, mit dem Blick auf ein großes Feld gerichtet
auch die Nachbarn kamen vereinzelt aus ihren Häusern
jeder gefasst und seltsam still
 Dann, plötzlich, um ein Uhr ging die Sonne auf
 aber nicht wie immer im Osten, nein
 sie schob sich im Westen, fast greifbar nahe
riesengroß und orangerot direkt aus dem Acker

 

Es war wunder- wunderschön
 so wundersam das alles
 die Nacht ward  in ein ganz sanftes Licht getaucht
so ganz atmosphärisch das
ähnlich, wie damals kurz vor der Sonnenfinsternis
nur um ein Vielfaches satter

 

Es verging kaum Zeit, da spürten wir  auch schon Tropfen
vereinzelt, groß,  sie klatschten gen unsere Haut
 nur kamen sie nicht wie gewöhnlich von oben
sondern horizontal
es waren die ersten Anzeichen
der alles verschlingenden Flutwelle
die stante pede einsetzte

 

Keine Panik
kein Aufruhr unter uns
nichts
wir standen alle nur da und staunten

 

 

dann bin ich aufgewacht
@zartgewebt

 

Bildquelle: Francis (Tone) O`Leary

 

 

 

 

JUNGFRÄULICH

 

 

 

 

 

 

Ich wurde zwar schon defloriert
doch fühle ich mich innerlich
irgendwie noch immer sehr jungfräulich
 spüre ich doch oft eine unerklärliche
 Unverbrauchtheit
eine Frische in mir, die sich anfühlt
wie der ewige Frühling

 

 

jungfräulich (3)

 

 

Weißt du, es kommt mir fast so vor
als ob die
„Lebensjahreszeiten“

 

 

Frühling
Sommer
Herbst
und Winter

 

 

sich nicht auf eine Lebensspanne ausdehnen
sondern sich bei mir
täglich vollziehen würden
wobei ich aber immer wieder  feststellen muss
dass dabei meist der Frühling überwiegt

 

Es ist ein ständiges Wachsen
 und Gedeihen in mir spürbar
sowie ein immer wiederkehrendes 
Staunen wahrnehmbar
über Dinge, Begebenheiten
 die ich schon zigmal gesehen
oder auch erfahren habe
aber mir in dem gegebenen Moment
oft völlig neu erscheinen
und mich dieser Zustand dann ergriffen macht
sei es jetzt bloß nur ein Blick
eine Berührung
der Abendhimmel
eine unscheinbare Wiesenblume
ein Kieselstein
was auch immer

 

Ich könnte die Liste jetzt endlos fortsetzen
möchte aber eigentlich nur zum Ausdruck bringen
dass ich mich täglich  für vieles, das altbekannt ist
neu begeistern kann
so, als würde ich es für mich
zum ersten Mal entdecken
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: unbekannt

 

 

BEGLEITUNG

 

 

 

Sekhar Roy _ paintings

 

 

 

 

Ich sehe in dem Bild meine Schwester
und empfinde es als

 

wunder- wunderschön

 

denn das war sie
eine strahlende Schönheit
in sich ruhend
gefasst
 auch noch
in der Stunde ihres Todes
und die vielen Monate davor
 wo ihr die Krankheit den Körper raubte
ihr alles davon nahm
was es zu nehmen gab

 

Ihre innere Strahlkraft jedoch
die bewahrte sie sich  bis zuletzt
ja, sie verstärkte sich sogar
als ihr Leib nach und nach
unter den nur schwer unter Kontrolle zu bringenden
Schmerzen schwand

 

Wenn ich an ihrem Kranken(Sterbe)bett saß

 

war SIE es
die Trost spendete

 

war SIE es die heilte

 

mich

 

und auch all die  anderen
 die sich ihr zuwandten

 

Ich ging immer mit einem guten
Gefühl nach Hause
wusste sie in guten Händen
 sie war so  
  in sich selbst geborgen
 ~~~

 

Ich liebe sie sehr

@zartgewebt
  

 

Bildquelle: Sekhar Roy

 

 

 

HEMMUNGSLOS

 

 

 

 

 

 

Lüsternen Blickes
hefte ich dich an die Wand
mein Fingerspiel, fordernd
streift ab
jeglichen Stoff
alles Gewand
mein Begehr
es reibt sich an dir
bedrängt dich, ist
gnadenlos
fernab von mild

 

 

two (2)

 

 

im Verzehr unersättlich
trunken vor Leidenschaft
hemmungslos
wild
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: unbekannt

 

 

SCHWEBEZUSTAND

 

 

 

 

 

 

Heute Abend,  ich liege
 in der gutgefüllten Wanne
kein Kerzenschein
hell beleuchtet der Raum
auch kein Buch
keine Musik
ist auch nicht von Nöten das
da ich das Bad
nur dann dem Brausen vorziehe
wenn mir nach
Abtauchen ist

 

 

lee price ..bad

 

 

Ganz entspannt
liege ich ausgestreckt
im wohltemperierten Wasser
jetzt winkle ich die Beine etwas ab
stelle dabei die
Fußsohlen auf den Wannenboden
öffne die Schenkel so,  dass links und rechts
die Knie die Wände berühren
dann hebe ich den Po
überstrecke mich
und komme dabei in einen wunderbaren
Schwebezustand
der Kopf sinkt dabei unter Wasser
sodass nur mehr die Nasenspitze
und der Mund
Luft abbekommen

 

 

Ich versinke in einer Anderswelt
alles verschwindet
die Körperwahrnehmung scheint irgendwie
komplett ausgeschaltet
nur mein Atmen ist verstärkt
da ist nur Atem
wunderbar
beruhigend wirkender
Atem

 

 

Ich fühle mich
geborgen in einer Blase schwebend
@zartgewebt

 

 

Bildquelle: Lee Price

 

 

 

UNSCHULD

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe sie nicht verloren
meine Unschuld
ich habe mich verschenkt

 

 

Die Lust, spielte bei mir beim
„Ersten Mal“
keine Rolle
vordergründig war
und ist eigentlich noch immer
das Miteinander-Verschmelzen
das Sich-Verlieren
in dem anderen

 

Ich zählte so sechzehn, siebzehn Lenze
er war gut zehn Jahre älter
und er ließ sich Zeit
bedrängte mich nicht
war sehr einfühlsam und bedacht
legte es nicht darauf an
bloß zum Schuss zu kommen

 

Wie schon angedeutet, Lust 
verspürte ich keine dabei
zu ängstlich und verhalten
 da keine Ahnung von nix
keine Erwartung hegend, nur
ein Geschehen lassen meinerseits
und doch
war ich erfüllt von Liebe
 @zartgewebt

 

Bildquelle:  Nobuyoshi Araki

 

 

 

FREUDE

 

 

 

 

 

 

 

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Weißt du, ich steh da oben
bzw. manchmal sitze ich auch

 

 

 

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und alles in mir frohlockt
kann mich einfach
nicht satt sehen an dem vielen Weiß

 

 

 

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und auch dem Blau

 

 

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es kehrt so ein
unbeschreiblicher Frieden ein
so eine Ruhe für die Augen
die Ohren
ich weiß auch nicht
wo überall
und trotz der Stille
ist da ein Jubel spürbar
der mich schier
zum Überlaufen bringt
@zartgewebt

 

 

Bildquelle:  alle @zartgewebt