WEHRHAFT!

 

 

 

Musik: The Cinematic Orchestra
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Anno dazumal, ich war so um die fünf Jahre alt
bescherte mir eine schlimme, sehr fiebrige
Augenentzündung
einen vierwöchigen Aufenthalt
im Kinderkrankenhaus

 

Ich weiß, die eingestellten Bilder
Gottfried Helnweins sind heftig
doch sie kommen meinem
damaligen Gemütszustand sehr nahe

 

Es machte mir
das Weg-Sein vom Elternhaus
nicht so sehr zu schaffen
auch nicht die schmerzvollen Injektionen
ebenso wenig das mehrmalige
Abgeschoben-Werden in eine Dunkelkammer
wo ich endlos lange und ganz alleine
oftmals verharren musste
vielmehr war mir der Zustand unerträglich
dass ich in ein riesiges, stählernes Gitterbett
verfrachtet wurde wo es kein Entrinnen gab

 

Sah traurig, na ja, gesehen habe ich ja nicht viel

 

5fgroejx

 

mein halber Kopf war ja bandagiert

 

den anderen Kindern
im Zimmer beim Spielen zu
und, was mir am Eindringlichsten
in Erinnerung blieb, ist, dass ich genötigt wurde
eine Tomatensuppe zu essen
wogegen ich mich heftig zur Wehr setzte
Eine Schwester hielt mir die Arme fest
eine andere wollte mich füttern wie ein Baby 
doch ich verweigerte standhaft
dieses dickbreiige Etwas
in mich hineinstopfen zu lassen
schlussendlich drohte man mir
wenn ich den Mund nicht aufmachen würde
mir als Strafe eine Injektion zu verpassen

 

Ich hielt mich wacker!

 

Wieder zuhause
erzählte ich übrigens niemandem etwas davon
es war ganz alleine meine Sache
@zartgewebt

 

Bildquelle: http://www.gottfried-helnwein.at/

 

 

5 Antworten auf „WEHRHAFT!

  1. Solcherart traumatische Erfahrungen, sind schmerzhaft und wie ein Sog in die Seelen-Tiefe, eine Transformation findet statt (wenn, glücklicherweise) und niemals mehr ist es, wie es zuvor war. Ich weiß wovon ich rede, bin dem Tod schon zweimal von der Schippe gesprungen, und doch, ist etwas gestorben, es stirbt immer etwas im Leben. Etwas wird weggenommen und eine Anderes kommt dazu. Gutnacht 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke, Arkis, du hast das ganz wunderbar zum Ausdruck gebracht (wobei ich bei meinem Erlebten jetzt nicht unbedingt von Traumatisierung sprechen würde), besonders das, dass *… immer etwas stirbt (ich sag mal „in einem“) im Leben. Etwas wird weggenommen und ein Anderes kommt dazu.* Ist noch gar nicht so lange her, da ist mir genau das … in einem anderen Zusammenhang bewusst geworden. Schmerzlich zwar und traurig, aber dem hatte es einfach bedurft.

      Gefällt 2 Personen

  2. Es ist, obgleich schon viel länger, gefühlt kaum 3 Monate her, dass der Tod bei mir anklopfte. Ich mußte das allererste mal ins Krankenhaus zwecks absoluter Notoperation. Dass ich nicht zuvor erstickte & mein Herzschlag versagte, habe ich allein meiner angewandten Atemtechnik zu verdanken, die alles einfach geschehen lies & die mich für ca. eine Stunde nicht in Panik geraten ließ. ES WAR KEIN KAMPF! In gefühlter Retrospektive war es , im Hinblick aller zuvor auf andere Art und Weise gestorbener Tode, das ultimative Erlebnis um das Leben, wenn auch vorher schon vorhanden, in zutiefster Dankbarkeit so anzunehmen wie es nun mal ist. Die, egal ob mit oder ohne Angst, körperliche! Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit hat das Potential, *wahre* *Wunder* zu bewirken … so Mensch in Demut liebt.

    Soulmate! Hier schwingt androgyn Axel

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    1. Mich rührt das alles gerade sehr an, deine Schilderung, Axel, sowie auch die von Arkis.
      Selbst kann ich zwar nicht mit einer Nahtod-Erfahrung aufwarten (außer im Traum, da bin ich gestorben und es war schööön), war aber schon ein paarmal hautnah dabei als jemand verstorben ist. Und auch diese Erfahrung war eine ganz Wunderbare. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil es absehbar war, man konnte sich innerlich lange darauf vorbereiten. Der Tod, das Sterben wird vielerorts total ausgeblendet anstelle zu integrieren … und das schon von klein auf, das finde ich sehr schade und auch traurig.

      Gefällt 1 Person

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